• Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum

25.11.2021 ELSA FERSTL, Garten-Center Meier, Dürnten

Garten – Ein Weihnachtsfest ohne Christbaum ist heute kaum mehr vorstellbar. Behängt mit Kugeln, Kerzen, Engelshaar und Naschereien lässt ein Weihnachtsbaum jedes Kinderherz höher schlagen. Aber wie ökologisch ist ein Christbaum heutzutage, welche Alternativen gibt es, und wie kam es überhaupt zum Kult mit dem Baum?

Der Brauch, zur Weihnachtszeit grüne Tannenzweige in der warmen Stube aufzuhängen, geht Jahrhunderte zurück. In den langen, dunklen und lebensfeindlichen Wintermonaten muss ein Christbaum mit Kerzenschein früher bei den Menschen enorm intensive Gefühle hervorgerufen haben. Damals holte man das Grün als Zeichen für Fruchtbarkeit und Lebenskraft ins Haus, aber auch, um böse Geister zu vertreiben und die Vorfreude auf den nahenden Frühling zu wecken.
Der erste mit Kerzen behängte Christbaum soll die Räumlichkeiten von Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien im Jahre 1611 erhellt haben. Damals war ein aufgeputzter Tannenbaum ausschliesslich der wohlhabenden Gesellschaft vorbehalten. Erst durch die Kultivierung von Tannenbäumen im 19. Jahrhundert wurden sie für jeden erschwinglich. Anfänglich war die Kirche mit diesem heidnischen Brauch nicht einverstanden. So fand der Christbaum erst Mitte des 20. Jahrhunderts Einzug in die katholischen Kirchen. Im deutschsprachigen Raum erlangte der Weihnachtsbaum Bekanntheit durch Johann Wolfgang von Goethe und seiner Erwähnung des Christbaums im weltbekannten Schriftstück «Die Leiden des jungen Werther » im Jahre 1774.

Tradition, Moderne und Umweltgedanke
Mittlerweile ist unsere Welt im Winter viel heller, deutlich wärmer und auch lauter geworden. Weihnachtslieder wie «Stille Nacht, heilige Nacht» und ein geschmückter Christbaum befriedigen wohl heute verstärkt das Bedürfnis nach Tradition. Der Gang in die Kirche oder das alljährlich stattfindende Familienfest zu Weihnachten sind für viele ein Lichtblick und etwas, das in der hektischen Gegenwart immer noch Bestand hat. Umso schwerer fällt es, den traditionellen Christbaum als letzten Anker zugunsten umweltschützerischer Aspekte über Bord zu werfen.

So wichtig ist die Wahl
Der Christbaumkauf ist Vertrauenssache: Deshalb ist die Wahl des Anbieters noch wichtiger als die Wahl der Tanne. Denn, wie bei allen pflanzlichen Erzeugnissen, gibt es auch bei Tannenbäumen mehr oder weniger ökologische Kulturmethoden. Besonders nachhaltige Baumschulen verzichten vollends auf synthetische Hilfsmittel. Sie setzen auf Nutztiere wie Schafe und Hühner. Diese halten die Begleitflora von der Kultur fern und verteilen zugleich nahrhaften Dünger. Dass hierbei der eine oder andere Nadelbaum Ecken und Kanten aufweist, beweist Charakter. Ausserdem kann auf eine regionale Kultur geachtet werden: Dadurch vermeiden Sie lange Transportwege und unterstützen die heimische Wirtschaft.
Oder warum nicht eine kleinere Tanne auswählen und auf einem Tischchen schön dekorieren? Bis ein Christbaum eine stattliche Grösse erreicht, vergehen etliche Jahre. Dieser langen Wachstumszeit steht die kurzzeitliche Nutzung gegenüber.

Christbaum als Laichhilfe
Nach der Weihnachtszeit muss der Baum noch lange nicht ausgedient haben. Der Wert der gefällten Tanne kann durch eine sinnvolle «Nachverwendung» gewürdigt respektive gesteigert werden. Zum Beispiel gibt es verschiedene Projekte in Schweizer Seen, bei denen versenkte Bäume als Laichhilfe, Lebensraum und Rückzugsmöglichkeiten für Fische und Kleinorganismen dienen. Egli, Zander und Barsch freuen sich auf diese neuen Brutstätten. Natürlich handelt es sich hier nur um ungeschmückte Bäume.

Delikatesse für Wildtiere
Auch für Wildtiere sind Tannenbäume eine wahre Delikatesse – wobei Wildparks ausschliesslich Christbäume annehmen, die im Verkauf übrig geblieben respektive ungebraucht sind. Ein illegales Entsorgen des gebrauchten Christbaums im Wald kommt selbstverständlich nicht infrage.

In der Küche einsetzen
Tannennadeln können auch in der Küche Verwendung finden. Wichtig dabei ist, stets nur unbehandelte (spritzmittelfreie) Nadeln zu verwenden. Fein zermörsert verleihen sie Wild- und Pilzgerichten ein besonderes Aroma. Mit heissem Wasser übergossene Nadeln ergeben einen bekömmlichen Tee. Tannennadeln stecken voller ätherischer Öle und wirken äusserst wohltuend.

Als Schutz fürs Gartenbeet
Wer einen Garten oder Balkon hat, kann mit dem Reisig seine Töpfe zudecken und damit etwa schlafende Blumenzwiebeln schützen. Gehäckselt ergeben Stamm und Äste eine wertvolle Mulchschicht auf Gartenbeeten. Bei diesem Einsatz von Tannennadeln ist ein Blick auf den pH-Wert erwähnenswert. Sämlinge und Jungpflanzen können aufgrund des niedrigen pH-Wertes der Nadeln im Wachstum eingeschränkt sein. Sämtliche Moorbeetpflanzen, Hortensien und Rhododendren freuen sich aber über diese saure, schützende Mulchschicht. Ebenso kann eine Schicht aus Nadeln auf Gemüsebeeten ausgebracht werden. Einzige Bedingung: Der pH-Wert darf im Boden nicht schon tief sein.

Upcycling im Appenzell
Als Österreicherin finde ich das Kennenlernen von Schweizer Bräuchen und Traditionen sehr aufregend. Im Zuge der Recherche für diesen Artikel ist mir ein traditionelles Handwerk aus dem Appenzellerland ins Auge gestochen – das «Beechüe- Schnitze». Dieser Brauch geht so: Die Familie sitzt zusammen und schnitzt aus dem Christbaum kleine Holzkühe. Diese alte Tradition, die bis heute angewendet wird, ist eine schöne Form der Zweitverwertung von Weihnachtsbäumen.

Das Christbaum-Fazit
Die Diskussionen rund um den nachhaltigsten Christbaum sind mannigfaltig. Bei der Wahl des Tannenbäumchens rate ich, die Verkäuferin oder den Verkäufer auf Herkunft und Kulturmethode anzusprechen. Das ist die beste Ausgangslage für eine bewusste Entscheidung. Oder Sie greifen auf eine von uns vorgestellte Alternative zurück. (vgl. Kasten «Alternativen zum Christbaum»).
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen fröhliche Weihnachten und ein besinnliches, nachhaltiges Weihnachtsfest – mit oder ohne traditionellem Christbaum.

Alternativen zum Christbaum

Wir haben für Sie Alternativen zum traditionellen Christbaum recherchiert, die ebenso für eine weihnachtliche Stimmung sorgen:

  • Schmücken Sie doch einmal eine lebende Tanne im Garten oder auf dem Balkon. Auch sie verbreitet weihnachtliche Stimmung.
  • Wer in einer Wildsträucherhecke einen dicken Ast abschneidet und diesen im Wohnzimmer platziert, kann mit Kreativität durchaus eine Christbaumalternative kreieren.
  • Im Handel gibt es mittlerweile viele Alternativen zur lebenden Tanne, die aus ganz unterschiedlichen Materialien gefertigt sind. Neben dem Plastikimitat gibt es auch viele Varianten aus Holz, von denen man sich auch für Eigenkreationen inspirieren lassen kann. Tannenbäume aus Kunststoff sollten mindestens zehn Jahre im Einsatz sein, damit man mit seinem eigenen ökologischen Fussabdruck wieder «im Reinen» ist.
  • Ein Nadelbäumchen im Topf gepflanzt, kann für Heiligabend kurz ins warme Wohnzimmer geholt werden. Es braucht jedoch davor und danach einen kühlen Platz für die Akklimatisierung. Sonst rieselt nicht nur leise der Schnee, sondern auch die Tannennadeln in Ihrem Wohnzimmer.

WEITERE INFOS

Die Gärtnerinnen und Gärtner vom Garten-Center Meier in Dürnten stehen Ihnen bei Fragen zum Thema Christbaum gerne zur Seite:

www.meier-ag.ch