• «Ressource Boden» untersucht

«Ressource Boden» untersucht

10.08.2018 KATHRIN STRUNK MSc Business & Economics Ökonomin Volkswirtschaft und Immobilienmarkt beim HEV Schweiz

Bodenpolitik – Von 2012 bis 2018 wurden im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden» (NFP 68) verschiedene Forschungsprojekte durchgeführt – unter anderem zur Qualität und zum Schutz des Bodens in der Schweiz. Die Resultate von zwei für Eigentümer wichtigen Untersuchungen.

Das Nationale Forschungsprogramm NFP 68 beschäftigte sich mit dem Thema «Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden ». Über einen Zeitraum von fünf Jahren und mit einem Gesamtbudget von 13 Millionen Schweizer Franken wurde in einer Vielzahl von Projekten an Fragen zur Bodenqualität in der Schweiz geforscht. Die verschiedenen Projekte waren in fünf thematische Schwerpunkte gegliedert, die von Begleitgruppen mit Teilnehmern aus Wissenschaft, Bundesverwaltung und Politik begleitet wurden. Entstanden sind fünf Publikationen, die die verschiedenen Projekte thematisch zusammenfassen. Der HEV Schweiz war in den Begleitgruppen zu den beiden Themenfeldern «Wege zu einer nachhaltigen Bodenpolitik» sowie «Eine Bodenagenda für die Raumplanung» vertreten. Auf diese beiden gehen wir hier vertieft ein.

Bodenagenda für die Raumplanung

In der Publikation «Eine Bodenagenda für die Raumplanung» wird festgestellt, dass die Raumplanung sich bisher vor allem mit dem absoluten Flächenverbrauch beschäftigt hat. Die aktuelle Bautätigkeit findet zudem zu grossen Teilen auf landwirtschaftlich hochproduktiven Böden statt. Bestehende Siedlungen sind aufgrund der historischen Entwicklung vielerorts von qualitativ hochwertigen Böden umgeben. Eine Ausweitung der Bautätigkeit in unmittelbarer Siedlungsnähe führt daher in vielen Fällen zu erheblichen Verlusten an Boden mit hoher Qualität.

Leistungsfähige Böden sind nicht nur für die Landwirtschaft von zentraler Bedeutung, sie sind auch Grundlage für sauberes Trinkwasser und tragen zum Schutz vor Hochwasser und Hangrutschungen bei. Zudem spielen sie als Speicher und Quelle der wichtigsten Treibhausgase – Kohlendioxid, Methan und Lachgas – eine wichtige Rolle. Darum empfehlen die Autoren der verschiedenen Projekte, dass in Zukunft auch die Bodenqualität in die Raumplanung miteinbezogen werden soll. Bei der Innenentwicklung von Siedlungsgebieten soll darauf geachtet werden, dass Flächen auch einmal frei bleiben, damit diese ihre Funktion bspw. als Wasserspeicher weiterhin erfüllen können. Vor allem beim Bauen ausserhalb der Bauzonen sei darauf zu achten, dass Bauten nicht auf den hochwertigsten Böden erstellt werden.

Um diese Ziele zu erfüllen, braucht es gemäss den Forschern eine Bodenkartierung. In weiten Teilen der Schweiz bestehe diese nicht, und die Bodenqualität sei daher nicht flächendeckend bekannt. Um die besten Böden zu schützen, werden beispielsweise Bodenindexpunkte als Steuerungsinstrument genannt. Dabei werden den verschiedenen Parzellen je nach Bodenqualität Punkte verteilt. Anschliessend wird festgelegt, wie hoch der Punkteverbrauch in einem Zeitraum sein soll. So soll ein Anreiz entstehen, Flächen von geringerer Qualität zu überbauen.

Wege zu einer nachhaltigen Bodenpolitik

Die Publikation «Wege zu einer nachhaltigen Bodenpolitik» fasst die politisch relevanten Resultate aus dem NFP 68 zusammen. Sie skizziert eine sogenannte Roadmap, die zu einer nachhaltigeren Bodenpolitik in der Schweiz führen soll, in der nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität des Bodenverbrauchs gesteuert wird. Die Autoren empfehlen eine Begrenzung des Bodenverbrauchs, weniger Belastung der Böden durch Siedlung, Landwirtschaft und Infrastruktur, verbesserte Bodeninformationen sowie eine Sensibilisierung der Bevölkerung dafür, dass Boden eine nicht erneuerbare Ressource darstellt. 

Umsetzung zeigt sich schwierig

Mit der Revision des Raumplanungsgesetzes von 2014 wird der Fokus bereits sehr stark auf eine Eindämmung des Bodenverbrauchs sowie auf die Innenentwicklung gelegt. Aktuell erarbeiten alle Kantone neue Richtpläne, mit denen die Zersiedelung in der Schweiz eingedämmt werden soll. Teilweise sind auch schon die Gemeinden daran, ihre Bauordnungen zu revidieren. Unter anderem werden Massnahmen zur Verflüssigung von Bauland geplant. Diese sollen Eigentümer von Baugrundstücken innerhalb der Bauzone dazu bringen, die Lücken zügig zu überbauen und so neue Einzonungen am Rand der Siedlungen zu verhindern. Abgesehen davon, dass diese Massnahmen einen höchst problematischen Eingriff in die Eigentumsrechte darstellen, dürfte es sich gerade bei diesen Grundstücken aber aus Sicht der Bodenschützer um Böden mit hoher Qualität handeln. Wie dieses Dilemma zwischen der Innenentwicklung und dem Schutz der besten Böden gelöst werden soll, ist unklar und dürfte auch mit technischen Instrumenten wie Bodenindexpunkten nicht so leicht gelöst werden können.

Während sich ein Teil der Forderungen also bereits in der Umsetzung befindet, dürfte der Einbezug der Bodenqualität in die Raumplanung in der Theorie einfacher sein als in der Praxis. Ganz sicher dürfte die Raumplanung dadurch noch komplexer werden, als sie es ohnehin schon ist.

Der HEV Schweiz hat sich in den Begleitgruppen für die Anliegen der Grundeigentümer eingesetzt. Noch sind jedoch keine politischen Vorstösse zur Bodenqualität bekannt.

BEISPIEL USTER: HANDLUNGSSPIELRÄUME FÜR BAULICHE NUTZUNGEN

Die roten Flächen sind gemäss vieler Lösungen diejenigen Flächen, auf denen eine neue bauliche Nutzung die Bodenqualität minimal beeinträchtigt und die Zersiedelung minimal erhöht. 

QUELLE: NFP 68-PROJEKT LASTENAUSGLEICH. SCHWAAB J., KELLER A., GRÊT-REGAMEY A. (2017): WIRKUNG MÖGLICHER MASSNAHMEN ZUR FLEXIBILISIERUNG UND STÄRKUNG DES SACHPLANS FFF – SCHLUSSBERICHT IM AUFTRAG DES ARE UND DES BLW. ZÜRICH: ETH ZÜRICH

Nationale Forschungsprogramme

In den Nationalen Forschungsprogrammen (NFP) des schweizerischen Nationalfonds werden Forschungsprojekte durchgeführt, die einen Beitrag zur Lösung wichtiger Gegenwartsprobleme leisten. Bundesämter, Forschungsinstitute, Forschungsgruppen oder einzelne Personen schlagen dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die Thematik und möglichen Schwerpunkte eines NFP vor. Der Bundesrat wählt die Themen definitiv aus und überträgt diese dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zur Bearbeitung im Rahmen eines NFP.


WEITERE INFOS

Informationen über den NFP 68 erhalten Sie unter dem folgenden Link: www.nfp68.ch 

Über andere laufende Nationale Forschungsprogramme können Sie sich auf der Website des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung infomieren: www.snf.ch