• Zürich ist spitze. Bleibt es das auch?

Zürich ist spitze. Bleibt es das auch?

21.11.2018 Albert Leiser

Dass Zürich spitze ist, wussten wir ja schon lange. Immer wieder figuriert es auf Spitzenplätzen von internationalen Ranglisten aller Art, insbesondere als besonders lebenswert, wohnlich und ähnlich. Nun wurde es gar von Avenir Suisse, dem liberalen Think-Tank, in einem Städte-Ranking unter den zehn grössten Schweizer Städten an die Spitze platziert.

Trotzdem gibt es noch Luft nach, wie die Autoren festhalten. Zu behaupten, in Zürich sei alles zu hundert Prozent perfekt, wäre ja auch krass gewesen. Schmerzhaft – aber keineswegs überraschend – ist, dass die Hauptkritikpunkte uns Hauseigentümer besonders betreffen: In Sachen Städtebau und Wohnungsmarkt rangiert die Stadt Zürich weit hinten. Über Probleme auf diesem Gebiet habe ich schon des Öfteren an dieser Stelle hingewiesen und möchte mich heute nicht wiederholen. Und wenn die Studie von den Stadtbehörden zur Kenntnis und die Kritik ernst genommen wird, könnte es sogar zu Verbesserungen führen. 

Leider ist aber im Gegenteil zu befürchten, dass sich die Verantwortlichen nun voller Genugtuung auf die Schulter klopfen und erst recht keinen Anlass für Änderungen sehen. Die derzeitigen Mehrheitsverhältnisse in Stadt- und Gemeinderat könnte sie dazu ermutigen. Sie sollten jedoch nicht ausser Achte lassen, dass das Erreichte das Ergebnis ist von langjährigen harten Auseinandersetzungen zwischen Rot-Grün und der bürgerlichen Minderheit. Es ist einer ganzen Kette von Kompromissen zu verdanken. In jüngster Zeit ist von Kompromissbereitschaft aber immer weniger zu spüren. Vielmehr werden sogar erstrittene Kompromisse wieder in Frage gestellt, siehe Historischer Parkplatz-Kompromiss, oder frontal bekämpft, siehe Hardturm-Stadion. Sie ist offenbar nicht auszurotten, die Illusion, es winke das Paradies, wenn man endlich kompromisslos das rot-grüne Programm durchboxe. 

Wer sich nicht darauf beschränkt, die erfreuliche Platzierung unserer Stadt im Städte-Ranking zur Kenntnis zu nehmen, sondern sich auch die Kritik zu Herzen nimmt, wird sich erst richtig bewusst, wie unerlässlich ein liberales Gegengewicht zur rot-grünen Mehrheit ist.